Wie Arbeitgeber die richtigen Fachkräfte anziehen – und was Bewerber wirklich sehen wollen: Best Practice Beispiele

Pathfinder Studios Recruiting Imagefilm GlasfaserPlus Still
Pathfinder Studios Recruiting Imagefilm GlasfaserPlus Still

Fachkräfte wollen vor der Bewerbung sehen, mit wem sie arbeiten, wie ihr Alltag aussieht und was sie verdienen. Arbeitgeber überzeugen die Richtigen, indem sie genau das zeigen: Echte Fotos und Videos vom Arbeitsalltag, mit den eigenen Mitarbeitenden, sprechen passende Kandidaten an und filtern unpassende Fachkräfte schon vor der Bewerbung heraus.

Eine Stellenanzeige beantwortet vor allem die Brille des Unternehmens: Welche Qualifikation brauchen wir, welche Aufgaben fallen an, was bieten wir? Eine Fachkraft stellt andere Fragen: Passe ich in dieses Team? Kann ich mir dort meine berufliche Zukunft vorstellen? Stimmt, was hier versprochen wird? Auf diese Fragen hat eine Anzeige keine Antwort, ein Bild oder ein Film dagegen schon.

Als Marketingberaterin und Filmproduzentin bei Pathfinder Studios begleite ich seit vielen Jahren Unternehmen, die genau an diesem Punkt stehen. Mein Rat ist fast immer derselbe: Investieren Sie nicht in die nächste Anzeige, sondern in Recruitingfilme. Texte spiegeln Fakten wider. Bilder und vor allem Videos transportieren Emotionen. Und Fachkräfte wollen heute nicht mehr nur einen Job. Sie wollen einen Sinn in ihrer Arbeit und das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen.

In diesem Artikel zeige ich am Beispiel von zwei Recruitingfilmen, wie das aussehen kann: für den Energie-IT-Dienstleister FACTUR in Aachen und für den Glasfaseranbieter GlasfaserPlus.

Warum haben Unternehmen viele Bewerbungen, aber wenig passende Bewerber?

Weil Stellenanzeigen vor allem Anforderungen beschreiben und kaum zeigen, wie Arbeit und Team wirklich sind. Fotos oder besser noch Recruitingvideos hingegen zeigen das Team, die Atmosphäre, den Arbeitsalltag – und beantworten die Fragen, die Fachkräfte sich wirklich vor einer Bewerbung stellen.

Laut Xing Arbeitsmarktreport 2026 bekommt die Hälfte der Unternehmen zwar viele Bewerbungen, aber zu wenige passende. Gehalt und Benefits lassen sich auf dem Papier vergleichen, die Stimmung in einem Unternehmen nicht. Aber genau die entscheidet, ob jemand diesen Job wirklich will, kann und versteht – oder nur wahllos eine Bewerbung schickt. Das Ergebnis von Personalmarketing mit reinen Text-Stellenanzeigen: Viele bewerben sich auf gut Glück auf ein Beschreibungsprofil – nicht auf genau diesen Job in genau diesem Unternehmen. Schlimmer noch: Viele Fachkräfte oder perfekt ins Team passende Bewerber fühlen sich nicht angesprochen.

Wenn ich als Marketing- und Filmagentur mit Unternehmen ein Recruitingfilm-Projekt plane, gehen wir deshalb die Fragen durch, die sich eine Bewerberin stellt, bevor sie auf „Jetzt bewerben“ klickt:

  • Mit wem arbeite ich jeden Tag zusammen?
  • Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?
  • Wo werde ich arbeiten – und will ich in diesen Räumlichkeiten und mit dieser Ausstattung arbeiten?
  • Kann ich mich mit dieser Atmosphäre und diesen Aufgaben identifizieren?

Jede dieser Fragen lässt sich mit einem Bild besser beantworten als mit einem Satz. Ein Foto vom lachenden Team im Flur zwischen zwei Terminen sagt mehr über die Kultur als „flache Hierarchien“, und zwanzig Sekunden Film mit einer Kollegin, die erzählt, warum sie geblieben ist, überzeugen mehr als jede Benefit-Liste.

Aus der Praxis: FACTUR Coole Jobs

FACTUR Billing Solutions ist ein Prozess- und IT-Dienstleister für den deutschen Energiemarkt mit rund 270 Mitarbeitenden in Aachen. Die Arbeitgebermarke war bereits stark: Unter dem Motto „Coole Jobs“ tritt FACTUR mit einem Eisbär-Maskottchen auf und ist im lokalen Sponsoring präsent. Die eigentliche Hürde war der Standort. Gesucht wurden vor allem IT-Spezialisten, und die mussten erst einmal davon überzeugt werden, nach Aachen zu kommen.

Der Recruitingfilm sollte deshalb zwei Fragen beantworten: „Wie ist das Team? Und wie lebt es sich in dieser Stadt?“

Wir haben also die eigenen Mitarbeitenden in Teamsituationen am Arbeitsplatz gefilmt, aber auch in ihrer Freizeit: am Tivoli-Stadion, in den Aachener Parks und an den Sehenswürdigkeiten der Innenstadt. Für die Humor-Momente stand außerdem das Eisbär-Maskottchen in Lebensgröße vor der Kamera.

„Besonders wichtig war uns, dass unsere eigenen Mitarbeiter im Film zu sehen sind und keine Schauspieler eingesetzt wurden. Dadurch entsteht ein ehrlicher und authentischer Eindruck unseres Unternehmens.“ – Silke Görgens, Personalmarketing & Employer Branding, FACTUR Billing Solutions GmbH

Die Rückmeldungen sind eindeutig: Viele Bewerberinnen und Bewerber schrieben schon in der Bewerbungs-Mail oder sagten im Gespräch, dass „der tolle Film auf der Karriereseite“ den Ausschlag für ihre Bewerbung gegeben habe. Und sie kommen anders zum ersten Gespräch: Sie erkennen das Gebäude und einzelne Kolleginnen und Kollegen wieder, und bringen eine spürbar positivere Grundhaltung mit.

Wie ehrlich sollte der Arbeitsalltag gezeigt werden, um Fachkräfte zu überzeugen?

Arbeitgeber sollten ihren Alltag ehrlich im Inhalt zeigen, inszeniert in der Form. Die Menschen und das, was sie über ihre Arbeit sagen, sollten echt sein. Das Bild dagegen ist Gestaltung: Authentisch wirkt ein Arbeitgeber nicht, weil er die Realität eins zu eins abbildet, sondern weil er echte Gefühle auslöst.

Bei Recruitingfilmen wünschen sich fast alle Unternehmen einen „authentischen“ Film: die Mitarbeitenden und das Büro so, wie sie sind. Ich erkläre dann immer, dass eine authentische Baustelle schmutzig ist und ein authentisches Büro unordentlich, mit Kaffeeflecken auf dem Tisch. Das will niemand sehen, denn es entspricht nicht unseren Sehgewohnheiten und wirkt somit negativ.

Unsere Sehgewohnheiten sind von Kinofilmen und Serien geprägt, und die sind alle inszeniert. Jede Schmutzschicht, jeder Kratzer, jedes Stück dreckige Wäsche liegt dort, weil jemand es so entschieden hat. Trotzdem wirkt es echt, weil es echte Emotionen auslöst.

Für einen Recruitingfilm heißt das: Wir müssen (und dürfen!) die Realität nicht eins zu eins abbilden, um etwas Echtes zu erzeugen. Wir müssen sie gestalten. Und genau das tun wir als strategisch-kreative Filmagentur für Recruitingvideos in ganz Europa.

Aus der Praxis: „Karrieresprung“ wörtlich genommen

Wie weit Inszenierung gehen kann, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren, zeigt ebenfalls der Film für FACTUR. Den bodenständigen Kern mit Mitarbeitenden und ihren Statements haben wir in eine Action-Klammer gesetzt, unter dem Motto „Wag den Karrieresprung“: Ein professioneller Schauspieler springt mit dem Fallschirm ab und spricht die Zuschauer direkt an: „Bist du bereit für deinen Karrieresprung? Dann trau dich und spring, wie ich.“ Er landet vor dem Firmengebäude und führt hinein, dann übernehmen die echten Mitarbeitenden. Am Ende schließt sich die Klammer mit derselben Frage.

Der Sprung ist offensichtlich inszeniert, und genau deshalb funktioniert er: Er sorgt für Aufmerksamkeit und ein Augenzwinkern, während die Mitarbeitenden in ihren eigenen Worten erzählen, warum sie bei FACTUR arbeiten.

Über welche Kanäle erreicht man Fachkräfte heute?

Fachkräfte erreicht man dort, wo sie ohnehin unterwegs sind: auf LinkedIn und Instagram, über Empfehlungen der eigenen Mitarbeitenden und, wenn sie aktiv suchen, über Google, Stellenportale und die Karriereseite.

Das Problem: Viele gute Fachkräfte suchen gar nicht aktiv. Sie stolpern über einen Beitrag, ein Video oder die Empfehlung eines Bekannten und schauen sich dann das Unternehmen an. Daraus ergeben sich zwei Aufgaben:

  1. Aufmerksamkeit dort erzeugen, wo gescrollt wird. Kurze Clips im Hochformat, Fotos aus dem Team und Beiträge, die Mitarbeitende gern teilen.
  2. Die Neugier auf der Karriereseite einlösen. Wer klickt, will mehr sehen: den ausführlichen Film, Gesichter, konkrete Stellen und einen Bewerbungsweg, der in wenigen Minuten erledigt ist.

Ich plane Recruitingprojekte deshalb von Anfang an mit allen Einsatzorten, wobei die Karriereseite meist das Ziel bleibt. Wie wirkungsvoll schon ein einziger Ort sein kann, zeigt FACTUR: Der Film läuft dort ausschließlich auf der Karriereseite, auf die alle Stellenanzeigen, Plakate und Kampagnen verweisen. Wer dort ankommt, sieht ihn. Oft ergänzen wir den Hauptfilm um kurze Schnittfassungen für Social Media und um Fotos für Anzeigen und Website, alles in einer Bildsprache.

Wie zeigt man den Arbeitsalltag am besten mit Fotos und Videos?

Mit echten Menschen an echten Arbeitsplätzen. Der Film transportiert Stimmung und Stimmen, die Fotos tragen Karriereseite, Anzeigen und Social Media. Beides wird gemeinsam geplant, damit eine Bildsprache entsteht.

Drei Dinge machen den Unterschied zwischen einem glaubwürdigen und einem gestellten Ergebnis:

  • Mitarbeitende früh einbinden. Wer weiß, worum es geht und warum gerade er oder sie vor der Kamera steht, ist am Drehtag gelassener.
  • Dialoge mit Kamera statt auswendig gelernter Texte. Aussagen entstehen im Interview, in den eigenen Worten der Mitarbeitenden.
  • Szenen aus dem echten Ablauf. Wir inszenieren Situationen, die es so wirklich gibt, nur mit besserem Licht und besserem Timing. Bei FACTUR haben wir so einen szenischen Film ganz ohne Schauspieler umgesetzt.

Wie Mitarbeitende vor der Kamera natürlich wirken, beschreibt Marketingberater und Regisseur Tom Wolt:

„Wir beginnen nie sofort mit den Interviews. Wer zum ersten Mal mit einem Scheinwerfer im Nacken, einem Mikrofon wie ein Damoklesschwert über dem Kopf und fremden Menschen hinter der Kamera sitzt, braucht erst einmal Zeit zum Ankommen. Stattdessen reden und scherzen wir mit den Leuten – und wir erklären genau den Ablauf und Inhalt, damit die Unsicherheit vor dem Unbekannten verschwindet. Und wir arbeiten in Takes, mit Feedback zwischendurch, statt einen langen Monolog ohne Führung aufzuzeichnen.“ – Tom Wolt, Marketingberater & Regisseur

Aus der Praxis: GlasfaserPlus HR-Film

GlasfaserPlus will rund vier Millionen Haushalte in ländlichen Regionen an das Glasfasernetz anschließen. „Unsere Mission ist es, Deutschland wieder zukunftsfähig zu machen“, heißt es im Mission Statement – und im Recruitingfilm. Er richtet sich vor allem an junge Menschen, die ein dynamisches Unternehmen nach vorn bringen wollen, in einem Team aus langjährigen Kolleginnen und Kollegen und Karrieremenschen, die immer wieder neu dazukommen.

Alles im Film ist echt: echte Mitarbeitende, gedreht im eigenen Büro mit Loft-Atmosphäre, drinnen und draußen, bei der Arbeit und in der Pause. Kernstück ist ein Tischtennis-Turnier, über das die Mitarbeitenden im Film selbst sprechen. Eine Besonderheit: Neben dem Team kommt auch die HR-Chefin zu Wort. Sie erklärt, was GlasfaserPlus für sie besonders macht, und übergibt dann mit einem Augenzwinkern: „Aber genug von HR“ an die Mitarbeitenden.

GlasfaserPlus setzt den Film bis heute ein und ist auf kununu als Arbeitgeber ausgezeichnet.

Was unterscheidet mittelständische Arbeitgeber von Konzernen und Marken im Kampf um Bewerber?

Konzerne und Marken als Arbeitgeber profitieren von der Markenbekanntheit und überzeugen in der Stellenausschreibung häufig mit Gehalt und Benefits. Mittelständische Arbeitgeber punkten hingegen oft mit Nähe und Persönlichkeit: kurze Wege, ein direkter Ansprechpartner in der Geschäftsführung, und Arbeit, deren Wirkung man jeden Tag spürt. Genau das lässt sich in Recruitingvideos und Fotos zeigen.

Der häufigste Fehler, den ich bei Mittelständlern sehe, ist der Versuch, wie ein Konzern auszusehen. Hochglanz, Stockfotos und austauschbare Slogans machen einen kleinen Betrieb nicht größer, sondern gesichtslos. Stärker ist, was nur dieses Unternehmen hat: die Chefin, die alle beim Namen kennt, das Team, das seit Jahren zusammenarbeitet, der Kunde, der persönlich anruft und sich bedankt.

Die beiden Projekte in diesem Artikel zeigen, dass das Prinzip für jede Größe gilt. FACTUR ist ein gefestigter Mittelständler mit rund 270 Mitarbeitenden, GlasfaserPlus ein modernes Infrastrukturunternehmen mit einer Mission. Beide haben nicht ihre Größe in den Mittelpunkt gestellt, sondern ihr Team und die Atmosphäre.

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  • Portrait of Yvonne Schwalowski / Ivy Thomas, Producer & Consultant at Pathfinder Studios

    Yvonne Schwalowski ist Marketingberaterin und strategische Filmproduzentin bei Pathfinder Studios sowie mehrfache Belletristik-Autorin u.a. beim Piper-Verlag. Mit 18 Jahren Berufserfahrung und erfolgreichen Multimedia-Projekten für über 450 Kunden zählt sie zu den erfahrensten Marketing-Experten für europäische Unternehmen – vom Tech-Startup über Hidden Champion-Industrieunternehmen bis zu Konzernen wie MAN, Miele und Audi. Ihre Werbefilme und Kurzfilme haben mehrere internationale Auszeichnungen gewonnen, ihr erster internationaler Kinospielfilm ist derzeit in Fertigstellung.
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